Gästebuch

Sonntag, 9. September 2018 12:08 - carmen

“Can you ask for a bit of Stellung?”

Kurs mit Alfonso Aguilar

Eine bunt gemischte Truppe, teils am Abend vorher von weit her angereist, das Pferd bei Carmen untergestellt und zum ersten mal dabei, mehrere aus der näheren Umgebung und Wiederholungstäter wie Regina, die zum 7. (!) mal mitmacht. Genauso unterschiedlich auch die Themen, mit denen jeder sich die kommenden 3 Tage bei Alfonso Aguilar beschäftigen möchte und das Erfahrungslevel. Von mir, die ich als Novizin eine gute Basis für Bodenarbeit bekommen möchte bis hin zu Carmen, die das Ausbilden eines Handpferdes verfeinern wollte. Dazwischen Claudia mit ihrem stattlichen Friesen Rick, bei dem sie im Gelände manchmal die Notbremse vermisst, Renate, deren kleiner Isländer alles was nicht im Gelände stattfindet sofort langweilt, Ingrid, deren Slow bei der Freiarbeit gern mal seinen eigenen Weg geht, oder Regina, die ihrem Mojito – den sie erst seit zwei Monaten hat – Seitengänge beibringen möchte.

Beim Kurs mit dem berühmten Horseman Alfonso geht das alles völlig problemlos zusammen, da er auf jeden Teilnehmer sehr individuell eingeht und den Kurs jedesmal entsprechend der Teilnehmer gestaltet. So gibt es auch zu allererst mal eine Gesprächsrunde bei dem jeder erzählt, was er sich für diesen Kurs zum Thema machen möchte. Im Zuge dessen erfragt sich Alfonso auch Erfahrungsstand jedes Teilnehmers und seines Pferdes. In meinem Fall ist Schnipsy, die mir Carmen als Leihpferd zur Verfügung gestellt hat, eindeutig der “Pro”.

Dann verbringen wir die folgenden drei Tage – teils am Boden, teils im Sattel – mit Alfonso in Carmens großer Reithalle. Die hat zum Glück teils offene Seiten, so daß wir trotz sommerlicher Hitze immer eine leichte Brise hatten. Jeder von uns bekommt für jede Übungseinheit ganz individuelle Aufgaben, die wir alle mit Hilfe von Alfonso am Ende meistern – oder zumindest dem Ziel einen großen Schritt näher kommen. Beim gemeinsamen Mittagessen, das Carmen für die Teilnehmer optional anbietet wird dann eifrig über das gelernte diskutiert und ausgetauscht. Apropos Mittagessen – ganz egal ob Bolognese, Kartoffelgratin oder Gulasch, immer gibt es alternativ eine genauso leckere vegetarische Alternative und dazu bunten Salat mit vielen frischen Kräutern aus dem Garten. Die Gefahr von Foodkoma nach dem Essen ist groß 😉 Den zweiten Abend lassen wir beim gemeinsamen Grillen in Carmens Garten ausklingen. Der laue Sommerabend lässt uns lange draussen sitzen und bei Steak und Radler über Pferde reden.

Am Ende jeden Tages wird besprochen mit was wir am nächsten weitermachen möchten. Dementsprechend stellt Alfonso dann Zweier- oder Dreiergruppen zusammen oder macht Einzellektionen. Lektionen – irgendwie passt dieses Wort nicht zur Art und Weise mit der Alfonso arbeitet. Denn bei ihm bleibt immer jede Übung ein Spiel mit dem Pferd. Nie hat man das Gefühl etwas nun unbedingt schaffen zu müssen. Für Alfonso hat es höchste Priorität die Zusammenarbeit mit dem Pferd so zu gestalten, dass es dem Charakter des Pferdes entspricht. Mehr Abwechslung für die schnell gelangweilten, langsame Steigerung des Anspruchs bei nervösen Diven, oder auch mehr Speed und schnelle Wechsel für die Faulen unter unseren vierbeinigen Partnern. Bei Alfonso hat Spaß für Mensch und Pferd einen sehr hohen Stellenwert. Und so strahlen auch die Gesichter am Ende jeden Tages.

Ergänzend dazu ist es ihm ein wichtiges, dass wir uns stetig darin verbessern, unsere Pferde zu lesen und auch die kleinsten Signale richtig zu deuten. So fällt es jedem von uns auch schnell einfacher nicht nur die richtigen Signale zu geben, sondern auch den richtigen Zeitpunkt dafür zu finden. Apropos richtige Signale. Es gibt ja so viel auf das man achten muss um die Kommunikation zum Pferd so verständlich wie möglich zu machen. Nicht nur ganz allgemein die eigene Körpersprache, sondern eben auch Klarheit, Timing und Intensität. Und hier hat Alfonso eine super angenehme Art jeden weiterzubringen. Sofort erkennt er was man ändern könnte um eventuell die gewünschte Reaktion zu bekommen und erklärt auch immer dazu, warum es vorher vermutlich nicht geklappt hat. So stellen sich sofort echte Lerneffekte im Kurs ein.

Und das ganze in Alfonso sympathischen “Mexican-Denglish”, wie ich es für mich genannt habe. Also prinzipiell Englisch, aber mit spanischem Akzent, durchdrungen von einigen deutschen Begriffen, die sich wohl bei seinen vielen Kursen im deutschsprachigen Raum so eingenistet haben. Ist aber tatsächlich ganz praktisch, da man so auch mit nur Grundkenntnissen in Englisch am Kurs gut teilnehmen kann. Zur Not hilft auch immer jemand beim Übersetzen. Und Alfonso spricht selbst zwar nur etwas deutsch, versteht aber fast alles. “And now, can you ask for a bit of Stellung?”

Vielen Dank an dieser Stelle an Carmen, für die tolle Organisation! Bis nächstes Jahr bei Kurs mit Alfonso in Beimerstetten 🙂

Steph