Gästebuch

Kursbericht „Wie Pferde lernen wollen“ 2014 mit Dr. Alfonso Aguilar

Donnerstag, 26. Februar 2015 22:30 - carmen
 
 
Spaß ist sein oberstes Credo, stellt Alfonso Aguilar gleich zu Beginn des zweitägigen Kurses auf der Camazo Ranch in Beimerstetten klar. „Vergesst, euer Pferd beherrschen zu wollen“, sagt er vor dem Stall auf Englisch. „Ihr müsst das Tier überzeugen. Wenn ihr verständlich kommuniziert und das Pferd viele positive Erfahrungen mit euch macht, respektiert und vertraut es euch schnell.“
Alle Teilnehmer lauschen dem sympathischen Mexikaner wie gebannt. Sie sind mit unterschiedlichsten Erwartungen von überall her angereist. Was sie verbindet? Alle wollen das gegenseitige Vertrauen in der Mensch-Pferd-Beziehung stärken, um optimal mit ihren Tieren arbeiten zu können. Dazu ist es nötig zu verstehen, dass für Pferde Pferdeverhalten immer logisch ist, erklärt Alfonso Aguilar, da dies auf den Urinstinkten der Herden- und Fluchttiere beruht. Hat man diese Verhaltensmuster einmal verstanden und verinnerlicht, ist der Grundstein für echtes Vertrauen gelegt. Dabei ist der Weg das Ziel und jeder Schritt in die richtige Richtung wird gelobt. Auch betont Alfonso Aguilar, dass jeder probate Weg, der bisher gut funktioniert hat, unbedingt beibehalten werden soll.
Nach diesem theoretischen Teil, geht es direkt an die praktische Umsetzung, jedoch erst einmal ohne Pferd. Bei einer Trockenübung sollen alle Teilnehmer lernen, ein Seil kontrolliert zu schwingen, um dadurch später physischen Druck auf das Tier ausüben zu können. Viel gelacht wurde, als sich ein Seil dabei versehentlich um die Beine einer Teilnehmerin wickelte und schon am ersten Kurstag war das Ziel Spaß zu haben mit dieser Übung erreicht.
Als die Teilnehmer dann entsprechend ihres Vorwissens und dem Ausbildungsstand ihres Pferdes in die Gruppen „Kindergarden“ und „Rock’n’Roll“ eingeteilt sind, geht es ans Eingemachte. Die ersten Übungseinheiten sind mehr für die Menschen, die am Kurs teilnehmen gedacht, und weniger für die Ausbildung der Tiere.
Beispielsweise um ein Pferd dazu zu bewegen seinen Kopf zu senken, bedarf es nicht dem ungestümen nach unten Ziehen des Stricks am Knotenhalfter. Richtig ist es, den Strick als erstes mit dem Zeigefinger zu umschließen. Reagiert das Pferd nicht, folgt der Mittelfinger. Erst wenn die ganze Hand den Strick umfasst und das Tier nicht nachgibt, darf man leicht ziehen. Gibt das Tier jedoch schon vorher nach, wird der Druck sofort weggenommen und gelobt. So lernt das Pferd durch positive Verstärkung sehr schnell, was von ihm verlangt wird.
Wichtig im ganzen Konzept des charismatischen Horsemans sind drei Prinzipien:
  1. Pferde lernen schnell und nachhaltig durch konsequentes Verhalten beim Training
  2. klare und freundschaftliche aber zielorientierte Führung des Pferdes stärken das gegenseitige Vertrauen
  3. nach erfolgreichen Übungen sind Pausen unbedingt nötig, um das Tier nicht zu überfordern und den Lernerfolg zu sichern
Der erste Kurstag geht mit einem Verladetraining zu Ende. Für die meisten Teilnehmer mit ihren Tieren stellt das kein Problem dar. Einige der Pferde wollen sich jedoch nicht verladen lassen. Alfonso Aguilar beweist einmal mehr mit seiner lockeren und dennoch konsequenten und respektvollen Art, wie er auch mit schwierigen Tieren in kurzer Zeit beachtliche Erfolge erarbeiten kann. Am Ende des Tages geht jedes Pferd gehorsam und ruhig in den Anhänger.
Mit Beginn des zweiten Kurstages wird schnell klar, dass es Abwechslung an Stelle von pausenlosen Wiederholungen geben wird. Dafür wird ein Gelassenheitsparcours mit Engpässen aus Tonnen, Flatterbändern und Planen aufgebaut. Obwohl mehrere Kursteilnehmer gleichzeitig im Parcours mit ihren Tieren arbeiten, sind die Augen des Horsemans überall. So gibt er Hilfestellung wo immer nötig, mal direkt beim Teilnehmer und manchmal auch vom anderen Ende der Halle. Doch egal wo er gerade ist, sieht man in fröhliche Gesichter und man hört viel Lachen. Auch am heutigen Tag macht das Training mit Alfonso Aguilar wieder sehr viel Spaß!
Der Höhepunkt des Kurses ist ein Einzeltraining im speziell dafür aufgebauten Roundpen. Ziel ist es, dass die Teilnehmer ihre Pferde vom Boden aus ohne Halfter und Rope herholen können, und dass das Pferd freiwillig dem Menschen folgt – Körpersprache ist gefragt.
Zuerst versucht es jeder Teilnehmer unter Anleitung selbst, mal mehr, mal weniger erfolgreich. Nach kurzer Zeit betritt Alfonso Aguilar den Roundpen und stellt sich neben den Teilnehmer. Mit einem verschmitzten Lächeln  fragt er „darf ich bitten?“ und hält seinen Arm einladend hin. Einmal einhakt „tanzt“ jeder zusammen mit dem sympathischen Ausbilder durch den Sand und übt so, seinem Pferd feine Signale durch die eigene Körpersprache zu geben. Bei dieser Übung hat jeder nicht nur einmal einen Aha-Effekt und lernt, dass es möglich ist das Pferd mit einem Fingerzeig zu dirigieren.
Am Ende des Kurses sieht man nur glückliche Gesichter und der Abschied von dem Trainer mit der fröhlichen und ruhigen Ausstrahlung fällt jedem sichtlich schwer. Der Kurs war geprägt von Einfühlungsvermögen, Effektivität, Kompetenz und Freundlichkeit, sowie der tollen Fähigkeit Alfonso Aguilars, sich Teilnehmern und Pferden individuell anzupassen. Mit viel Geduld, Verständnis und individueller Hilfestellung hat er die Kommunikation und das Vertrauen jedes Menschen mit seinem Tier gestärkt. Alle Teilnehmer sind nun mit der Sprache „pferdisch“ vertraut und haben die Grundlagen für eine tolle Partnerschaft mit ihrem Tier mit auf den Weg bekommen.
„True partnership lasts forever!“ (Zitat: Alfonso Aguilar), Bericht von Daniela K.
 (Für die die Alfonso noch nicht kennen, schaut Euch seine Homepage an unter www.aguilarnaturalconcepts.com
Auch während des Jahres bieten wir mit unserem Friendship & Fairness Programm die Möglichkeit, sich auf den Kurs mit Alfonso vorzubereiten oder mit Euren Pferden nach dem Kurs mit Horsemanship in Übung zu bleiben.
Die Kurstage bauen aufeinander auf, auch Quereinstieg ist möglich, wenn man schon etwas Erfahrung in Bodenarbeit oder Westernreiten hat. Diese Kurse biete ich auch auf anderen Reitanlagen oder in Reitvereinen an – unabhängig von der Reitweise ! )